Praxis- & Forschungsbezug

Wie in jedem Studiengang einer Fachhochschule wird speziell Wert auf den Praxisbezug der Lehrveranstaltungen gelegt. Problemstellungen aus der Praxis bilden so einen Schwerpunkt der Lehre. Sie werden mit wissenschaftlichen Methoden auf Basis der theoretischen Grundlagen behandelt. An Beispielen aus der Praxis wird das erworbene Wissen ergänzt, geübt und gefestigt.

Am intensivsten erleben die Studierenden den Berufsalltag eines Chemie-Ingenieurs in der Forschung, Entwicklung und Anwendung während ihres Berufspraktischen Semesters und der direkt daran anschließenden Bachelor-Arbeit kennen. Das BPS wurde 1994 zum integralen Bestandteil der Diplom-Ingenieur-Ausbildung. Die Erfahrungen in den letzten 12 Jahren damit waren ausgesprochen positiv. Die Studierenden haben immer wieder den großen Wert des BPS betont, um sich ein realistisches Bild von ihrer späteren Berufstätigkeit machen zu können und um beim Durchlaufen von 2-3 verschiedenen Stationen in einer Chemiefirma etwas zu finden, was ihren persönlichen Interessen und Neigungen besonders entspricht. Häufig wurden während des BPS bereits Themen für Diplomarbeiten vereinbart. In Zukunft wird das BPS nahtlos in die Bachelor-Arbeit übergehen. Dadurch kann die Einarbeitungszeit für die Abschlussarbeit verkürzt werden, was ganz im Sinne der Studierenden und ihrer Fachbetreuer in der jeweiligen Firma ist.

Selbstverständlich sind aber auch die Studienphasen vor dem BPS praxisorientiert. Die Lehrveranstaltungen in Mathematik, Physik und Informatik sind auf die Bedürfnisse eines zukünftigen Ingenieurs maßgeschneidert. Einer unserer Mathematik- Professoren hat sich beispielsweise intensiv mit der mathema- tischen Beschreibung von Vorgängen in einem realen Rührreaktor aus unserem Technikum beschäftigt und gibt seine Forschungs- ergebnisse an unsere Studierenden weiter. Die Vorlesung in Anorganischer Chemie vermitteln zwar Basiswissen, tut dies aber vorwiegend an Beispielen aus der Industriellen Großchemie. Die Theorie der Säuren und Basen beispielsweise wird in einen direkten Bezug zur Herstellung und zur Verwendung der Massenprodukte Schwefelsäure, Salpetersäure oder Natronlauge gesetzt. Und das extra für die Darmstädter Studierenden entwickelte Praktikumsbuch zur Synthesechemie vermittelt anhand geeigneter Versuche die Standbeine der Industriellen Organischen Chemie: Petrochemie, Farbstoffe, Arzneimittel, Kunststoffe, Nachwachsende Rohstoffe etc. An diesen Schlagworten orientiert sich auch die Organische Fortgeschrittenen-Vorlesung, ohne dass theoretische Grundlagen wie z. B. Reaktionsmechanismen zu kurz kommen.

In der Technischen Chemie erlauben insbesondere die Rektifikationsanlage im Technikummaßstab sowie modern ausgerichtete Praktika im „Mikroreaktions-Stil“ sowie Prozess-Simulation und -Automatisierung eine realitätsnahe Ausbildung.

Ökologische Aspekte, die im Berufsalltag der zukünftigen Ingenieure eine große Rolle spielen, werden nicht nur in Vorlesungen vermittelt, sondern vor allem auch in den Chemischen Praktika. Das Konzept des praktikumsintegrierten Umweltschutzes wurde nämlich in der erste Hälfte der Neunziger Jahre maßgeblich an der Fachhochschule Darmstadt für unsere Studierenden entwickelt.

Schließlich erlernen die Studierenden anhand zahlloser Versuchsprotokolle und Praktikumsberichte, die von den Dozenten oder Labor-Assistenten sorgfältig korrigiert werden, die Praxis des wissenschaftlichen Dokumentierens und Präsentierens.

Fazit: Die vielseitig praktisch orientierte Ausbildung mit teilweise interdisziplinären Charakter garantiert die Berufsfähigkeit unserer Studierenden.